Bergdiele

Zwei Mühlviertler Buam in der Bergdiele

(c) Ness Rubey

Die Bergdiele muss man Linzern und Leondingern nicht vorstellen. Direkt an der Stadtgrenze in einer beliebten Wohngegend beim Freinberg gelegen, gilt das gastronomisch genutzte Einfamilienhaus seit den 1950er-Jahren als Kult­betrieb. Viele Gäste aus der Haute­­vo­lee erinnern sich noch an rauschende Feste in der Kellerbar. Aber wie heißt es: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Die Performance der Bergdiele glich in den vergangenen Jahren einem volatilen Aktienkurs mit vielen Auf und Abs. Zuletzt stand das Lokal einige Zeit leer und wurde Ende des vergangenen Jahres von den zwei Mühlviertlern Florian Gintenreiter und David Roither
neu eröffnet.

Ein Glücksfall für Freunde von sehr guter Küche mit regionaler Bodenhaftung, aber auch für Gourmets mit Fine-Dining-Ansprüchen. Das heißt: Es warten Klassiker wie Erdäpfelsuppe mit Blunzentascherl, Sonntagsbraten, Innereien und Powidltascherl. „Am Abend kann es auch fancy werden. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben“, sagt Gintenreiter. Der kulinarische Lebenslauf lässt sich durchaus sehen. Roither kochte unter anderem im Mühltalhof oder im Hotel Arlberg in Lech. Zuletzt war er Souschef in der Huberei. Gintenreiter geigte bis im Sommer noch im Rosso in der Weingartshofstraße auf, war davor Souschef im famosen Pariser Sternerestaurant Vantre und im Gasthaus Rahofer in Kronstorf. Hinzu kommen ein paar Spezln in der Küche mit CVs à la OIS im Mühltalhof, Bootshaus und Ombra in London. Sie schauen immer wieder aus der Küche und schrauben die Erwartungen an die Top-Kulinarik in die Höhe. Gleich vorweg: Sie wurden erfüllt.

Gintenreiter gilt als Naturbursch und passionierter Fischer, dementsprechend kann man sich auf viel Fisch (heimisch wie aus dem Meer) und selbstgebrockte Kräuter einstellen, die auf Französisch-Mühlviertler Art veredelt werden. Ausgezeichnet die Grüße aus dem Meer wie lauwarme Brandade mit Meeräsche, Austern-Crème-brûlée mit leicht narkotisierendem Szechuanpfeffer oder Thunfischtatar, serviert in der Schwertmuschelschale. Weiters beeindruckt die Kombination Jakobsmuschel mit Kohlrabi, zumal das fein gehobelte Gemüse nicht zu aufdringlich scharf ist, sondern geschmackliche Tiefe aufweist, runder, eleganter wirkt, weil in Buttermilch gekocht und eingelegt. Sehr fein. Etwas schärfer ist da schon der Apfelkren, der kurz die Nasenflügel beben lässt, um danach den Gaumen auf die eingelegte Lachsforelle mit Stangen­sellerie und Apfel-Brunoise auf Raunaspiegel (verfeinert mit erfrischend fruchtig-würzigem Ponzu und Bergamotte) einzustimmen. Ein tolles ausbalanciertes Gericht, das zudem hübsch angerichtet ist und sogar als Vorspeise beim Mittagstisch erhältlich ist.

Erdäpfelsuppe mit Blunzentascherl, verpackt im Frühlingsrollenteig, ist ein Seelengericht wie aus dem Lehrbuch – eine mollige herzerwärmende Suppe mit Teigtascherl-Crunch und konzentriertem Wohlgeschmack. Ein weiterer Klassiker auf der Karte, ideal für die Fastenzeit, davor und danach, weil leicht bekömmlich, ist Wurzelfisch – die fischige Interpretation von Krenfleisch. Statt Schweinshaxerl und -schulter verwendet Gintenreiter Saibling. Dazu gibt’s Kümmelerdäpfel, die man am besten in dem herrlichen Sud zerdrückt, um keines der Aromenmoleküle auf dem Teller zurückzulassen. Einen Ausflug zu den Wurzeln der Kindheit wagen die Köche mit Powidltascherln. Drei süße Stück voller Glück. Erdäpfelteig, gefüllt mit dem dunklen Gold der böhmisch-österreichischen Küche, gewutzelt in Butterbröseln. Aber diesen Klassiker muss man wohl − wie die Bergdiele – niemandem vorstellen. Genauso wenig wie die Weine mit klingenden Namen; die Karte wird laufend erweitert und bietet für jeden Geschmack und jede Finanzlage etwas.

Philipp Braun

Küche ★★★★
Atmosphäre ★★★★
Weine ★★★★

Bergdiele
Holzheimer Straße 7, 4060 Leonding
T 0732/66 22 60
bergdiele.at