Landgasthof Bärenwirt
Meisterhafter Meister Petz
Gastrokrise? Hier nicht. Es ist Dienstag, 13.40 Uhr, das Lokal knackvoll. Das Erfolgskonzept: durchgängig warme Küche, eine Speisekarte, gespickt mit Wirtshausklassikern, dazu ein extravagantes Menü aus der Gedankenschmiede der „Mostviertler Feldversuche“ – ein kulinarisches Experiment von Köchen und Bauern. Erich Mayrhofer, einer der Protagonisten, gab bereits vor mehr als vierzig Jahren den Bauern eine Bühne. Am Bündnis mit den Produzenten hat sich nicht viel geändert. An der Qualität auch nicht. Nach wie vor gilt, dass Regionalität nur dann zum Trumpf wird, wenn der Geschmack passt. Und da kann man sich beim Bärenwirt sicher sein.
Die Rindsuppe, ein aromatisches Bollwerk, verleiht Bärenkräfte und spielt mit Frittaten den kulinarischen Doppelpass. Fein geschnittenes Beuschel ist mit eleganter Säure versehen, dazu ein Klecks Obers und ein perfekter Semmelknödel, der zeigt, dass es ein Gebot der Stunde ist, vermehrt auf sehr gut gekochte Hausmannskost zu setzen. Knödel zählen zu den Stärken vom Bärenwirt. Ein Mal mit Sonnenblumenkernen versehen, geben sie den starken Partner zum Eierschwammerlgulasch.
Der Star des Tages sind die Marillenknödel, zwanzig Minuten Wartezeit sind in Kauf zu nehmen, sie werden frisch gemacht, jede Minute ist es wert. Die Marillen im Topfenteig, an denen sich entscheidet, ob man es mit einem guten oder einem außergewöhnlichen Knödel zu tun hat, kommen aus Spitz. Exklusiv von einem Spezi des Wirten, der daheim ein paar knorrige Bäume stehen hat und die ganze Ernte dem Bärenwirt zu Verfügung stellt. Geliefert werden nur die besten Marillen. Nicht zu hart, nicht überreif, sondern perfekt. Nun nur noch den Kern durch etwas Marzipan ersetzen, Marillen in Teig verschließen, sieden und in Butterbröseln wälzen. Weder verbrannt, noch zu süß, sondern perfekt. Man könnte den Vergleich mit der Oma herstellen, aber es ist nicht sicher, ob sie diese Knödel so hinbekommen hätte. Für den Leser zwar bedauerlich, weil die Saison beim Erscheinen des Heftes zu Ende ist, aber vielleicht gibt es dann Zwetschkenknödel. Es ist davon auszugehen, dass diese ebenso mächtig munden und dass es sich lohnt, dafür nach Petzenkirchen zu fahren. Zumal auch die Weinkarte viel Gutes aus Österreich, speziell aus der Wachau, bietet.
PHILIPP BRAUN
KÜCHE ★★★
ATMOSPHÄRE ★★★
WEINE ★★★
Landgasthof Bärenwirt
Ybbser Straße 3, 3252 Petzenkirchen
T 07416/521 53
baerenwirt1.at

