Winding Gut

Die Entdeckung des Sommers

(c)Peter Schmid
(c)Peter Schmid

Es fällt äußerst schwer, sich von der Schönheit dieses Orts nicht fesseln zu lassen. Ein Gebäude aus dem vierzehnten Jahrhundert auf einer Anhöhe, zu erreichen nur über eine schmale Bergstraße, dazu der Blick auf Wälder, einen Karpfenteich und ganz viel Landschaft, die abends ins Licht der untergehenden Sonne getaucht ist. Außerdem drei Lindenbäume, Holztische und Holzbänke. Wo bis vor Kurzem eine einfache Jausenstation war, einfacher kulinarischer Unterhaltung gewidmet, ein Geheimtipp unter Einheimischen, haben Christina und Fritz Rigele unlängst die ­Erfüllung ihres Traums eines Gasthauses, so anspruchsvoll wie niederschwellig, in Angriff genommen.

Vom Bauern von nebenan, von dessen Nachbarschaft die Fliegen in der Schank kündigen, kommt das Kalb, ein Metzger in Lochen lässt es so lange reifen, wie Fritz Rigele es sich wünscht. Vom Kalb gibt es Bratwürste, nicht so schmal wie in Salzburg üblich, sondern eher nach Schweizer Vorbild, dazu Zwiebelsenf, fantastisches Sauerteigbrot und ein gutes Bier oder ein Glas Most oder eine Flasche Bollinger. Die Weinkarte hat auf alle Fragen zum Thema „Was wollen wir trinken?“ eine passende Antwort. Manches, was nicht auf der Karte steht, hat Fritz Rigele von seinem üppig bestückten Weinkeller in Obertauern nach Bergheim transportiert. Aus dem Räucherofen kommt der hausgemachte Speck, dünn aufgeschnitten, fantastisch, Teil einer kleinen Jause mit in Reisessig eingelegtem Gemüse, cremigem Frischkäse und Pesto. Und wieder dieses ­fantastische Brot. Zum Renner hätten sich in den vergangenen Monaten das gegrillte Schweinsrückensteak mit Pommes und Kräuterbutter entwickelt, erzählt Rigele. Ein Essen, das es ja überall gibt, das man sich aber aus einem gewissen Misstrauen heraus nicht zu bestellen traut. Eine gelbe Gazpacho, elegant und erfrischend ­zugleich, dazu auf einem kleinen Holzspieß gegrillte Pimientos de Padrón, weist Küchenchef Patrick, der der Familie Rigele seit Jahren verbunden ist, als großen Könner aus. Ein Saibling aus den Trumer Seen wird frisch und warm geräuchert serviert, dazu Kren, Kräuterbutter, ein idealtypisch schlotziger Erdäpfel-Indivien-Salat und – erraten – dieses köstliche Sauerteigbrot. Kirschen aus eigenem Anbau gibt es als Belag einer schokoladigen Tarte.

Auf der Jausenkarte stehen Rindfleischsalat und Essigwurst. Ein Entgegenkommen an den Bedarf der alten Stammgäste, die am Sonntagabend in der Schank an einem wunderschönen, von Christina Rigele aus Italien importierten Holztisch Platz nehmen, um gutes Bier aus wunderschönen Krügen zu trinken. Intelligente Gastgeber kochen nicht an den Bedürfnissen ihrer Gäste vorbei, das ist heute wichtiger denn je. Das Winding Gut 1392 ist der schon lange im Geheimen herbeigesehnte Ort, um sich im heißen Salzburger Festspielsommer vom Trubel und den Preisen in der Stadt zu erholen. Geplant ist übrigens auch ein ganzjähriger Betrieb.

Alexander Rabl

Küche ★★★
Atmosphäre ★★★★★
Weine ★★★★

Winding Gut 1392
Windingstraße 1
5101 Voggenberg
T 0664/350 56 10
windinggut.at