Der Sommer trinkt Rosé

Zwischen Frische und Finesse: Diese Rosé-Grand-Cru-Verkostung in vier Kategorien zeigt, wie viel Tiefe, Struktur und Herkunft in den Top-Vertretern des Landes stecken.

(c) ÖWM

Text & Verkostung: Willi Balanjuk

Mit steigenden Temperaturen rücken wieder leichtere, hell gekelterte Stilistiken in den Vordergrund und die Saison für Rosé- Weine wird ausgerufen. Fernweh und Sommerstimmung tragen wesentlich zur Popularität dieser Tropfen bei, denn Bilder von sonnengeküssten Landschaften, weißen Pferden und der Provence haben sich tief ins kollektive Verständnis dieses Weinstils eingeschrieben. Während der weltweite Rotweinkonsum leicht rückläufig ist, sorgt die steigende Nachfrage nach Rosé-Weinen teilweise für Ausgleich. Neben den bekannten Herkunftsgebieten Provence, Loire und Rhône treten in den letzten Jahren auch renommierte Rotweingebiete wie Toskana und Bordeaux in Erscheinung. In Österreich war in den 90ern der Schilcher der typische und erfolgreichste Rosé-Wein – aromatisch intensiv, mit markantem Frucht-Säure-Spiel und rassiger Säure. In den 2000ern wurde es ruhiger um diesen Stil, aktuell rückt er auf Basis des Blauen Wildbachers wieder mehr in den Fokus. Daneben haben sich vereinzelte Betriebe, wie etwa das Weingut Strehn, erfolgreich auf Rosé-Weine spezialisiert. Die heimische Farbpalette reicht von Blassrosa bis hin zu kräftigem Pink. Mit der DAC-Region Rosalia wurde zudem der Versuch unternommen, auf Basis von Blaufränkisch eine eigenständige Stilistik für Rosé zu definieren. Der Großteil der österreichischen Produktion entfällt auf Zweigelt, der ein balanciertes Säurespiel garantiert. Viele Winzer keltern ihre Rosé-Weine auch mit Pinot noir, St. Laurent oder den internationalen Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot sowie Syrah – häufig in Form von Cuvées. Der Anteil an Rosé-Weinen in Österreich liegt bei 3,5 bis fünf Prozent. Internationale Vertreter kommen auf etwa vier Prozent der Stillweine.

A la Carte hat eine Rosé-Grand-Cru-Verkostung in vier Kategorien ausgeschrieben und knapp 100 Weine verkostet.

Die Kategorie 1 – Rosé-Weine 2025 – war natürlich die stärkste. Der lebendige Jahrgang 2025 mit aromatisch-intensivem Bukett und leicht höherer Säure verfügt bei allen Rebsorten über einen animierenden Trinkfluss. Die besten haben ein fruchtig-pikantes, trockenes Finish. Viele Winzer balancieren die höhere Säure mit drei bis fünf Gramm Restzucker. Der Siegerwein stammt vom Weingut Malat und hat als Basis die Rebsorte Cabernet Sauvignon. Die weiteren Grand-Cru-Weine des Jahrgangs 2025 sind Pinot noir, Blaufränkisch und Zweigelt sowie Cuvées. Damit zeigt sich das weite Spektrum und vielschichtige Geschmacksbild der österreichischen Rosé-Weine.

In der 2. Kategorie – Rosé-Weine 2024 – reüssiert Blaufränkisch. Sowohl das Weingut Mad mit seinem Riedenwein als auch Pia Strehn setzen auf diese Rebsorte.

In der 3. Kategorie – Rosé-Weine 2023 – überzeugen der „Rosénator“ von Migsich, also eine Cuvée, und die Blaufränkisch-Rosé-Weine.

In der 4. Kategorie – Schilcher – keltern die Winzer Lex Langmann und die Familie Jöbstl aromatisch-intensive Rosé-Weine mit der Rebsorte Blauer Wildbacher. Hier verfügen Riedenweine und Schilcher aus älteren Reben über mehr Tiefe und Konzentration, daneben findet sich eine animierende und lebendige Säure.

Zusammenfassend kann man den österreichischen Rosé-Weinen eine präzise und frische Fruchtnote mit lebendiger Struktur attestieren. Die 2025er sind einerseits ideale Terrassen-Weine, die animierendes, sommerliches Trinkvergnügen bieten, und andererseits harmonieren sie bestens sowohl im Vorspeisenbereich als auch mit Fisch- und Hühnergerichten. 2024er- und 2023er-Rosé-Weine zeigen, wie gut sie reifen können. Genießen Sie den Sommer! –

Hier geht’s zu den Verkostungen:
1. Kategorie: Rosé-Weine 2025
2. Kategorie: Rosé-Weine 2024
3. Kategorie: Rosé-Weine 2023
4. Kategorie: Schilcher