Die Kunst des Zusammenspiels

So vielfältig kann Weißwein abseits des reinsortigen Ausbaus sein. Gemischte Sätze und Cuvées überzeugen mit Herkunft, Jahrgangscharakter und großem Potenzial.

(c) ÖWM

Redaktion & Verkostung: Willi Balanjuk

Für den Gemischten Satz werden alle Rebsorten gemeinsam am Weinberg gelesen und verarbeitet. Im Unterschied dazu werden die Rebsorten für die Cuvée getrennt gelesen, ausgebaut und zum fertigen Wein cuvéetiert. Ist einer der Stile besser oder schlechter? Nein! Für beide Stile gibt es viele Argumente und Weine, die höchste Qualitäten erzielen. Beim Gemischten Satz spielen vor allem die Mischung der gepflanzten Rebsorten sowie der ideale Lesezeitpunkt eine Rolle. Beim Komponieren einer Cuvée kann der Winzer durch unterschiedliche Anteile der jeweiligen Rebsorten leichter das gewünschte Geschmacksbild keltern.

Wir haben eine Grand-Cru-Probe für Weißwein – Gemischter Satz und Cuvées – in unterschiedlichen Kategorien ausgeschrieben und knapp 100 Weine verkostet: (Durch Klicken auf die Kategorie gelangen sie zu den Ergebnissen)

Die Kategorie 1 – Gemischter Satz fruchtbetont 2025 & 2024 wird von den aromatischen, intensiven 2025er-Weinen dominiert.

In der Kategorie 2 – Gemischter Satz gehaltvoll/Reserve 2025 & 2024 gehört seit Jahren der Wiener Gemischte Satz DAC Ried Langteufel vom Weingut Rotes Haus zu den besten Weinen dieser Kategorie.

In der Kategorie 3 – Gemischter Satz 2023 & älter gewinnt mit Sattlerhof Pfarrweingarten ein Klassiker aus der Südsteiermark.

Die Kategorie 4 – Weißweincuvées fruchtbetont 2025 setzt mehrheitlich auf die Kombination Grüner Veltliner mit aromatischen Rebsorten.

In der Kategorie 5 – Weißweincuvées gehaltvoll 2025 & 2024
zeigte sich die größte aromatische Vielfalt. Der „Ried Karlsberg 1 ÖTW“ der Hofkellerei des Fürsten Liechtenstein vereint unterschiedliche Parzellen der Riede Karlsberg aus den Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling.

Die Kategorie 6 – Weißweincuvées 2023 & älter unterstreicht das Reifepotenzial dieser Weine. Erwin Tinhofs 2022er präsentiert sich jugendlich, und auch die anderen Weine verfügen über großes Reifepotenzial.

Resümee: Beide Weinstile zeigen Herkunft und Jahrgangscharakter. Die Wahl des perfekten Lesezeitpunkts beim Gemischten Satz könnte bei weiteren klimatischen Veränderungen herausfordernd werden. Dieses Problem hat man bei den Cuvées nicht. Qualitativ besteht kein Unterschied und beide Stile sind großartige Speisenbegleiter.

Verkostet und bewertet wurden die Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern.
Im Anschluss wurden die besten Weine der Kategorien von einer Kostjury
in einer Blindverkostung bewertet und die Grand-Cru-Sieger ermittelt.

Abkürzungen:
BO Bouvier
CH Chardonnay
DAC Districtus Austriae Controllatus (kontrollierte Herkunftsbezeichnung)
DI Diam-Kork
DV Drehverschluss
FU Furmint
GE Gemischter Satz
GL Glasverschluss
GM Gelber Muskateller
GT Gewürztraminer
GV Grüner Veltliner
MC Muscaris
MO Muskat-Ottonel
MT Müller Thurgau (Rivaner)
MU Muskat
NE Neuburger
NK Naturkork
ÖTW Österreichische Traditionsweingüter
PB Pinot blanc (Weißburgunder)
PG Pinot gris (Grauburgunder, Ruländer)
RG Rotgipfler
RI Riesling
SO Souvignier gris
RR Rheinriesling
TR Traminer
RV Roter Veltliner
VI Viognier
SÄ Sämling 88 (Scheurebe)
WR Welschriesling
SB Sauvignon blanc
ZF Zierfandler