Grand Cru: Blaufränkisch

Komplexe Frucht, feine Würze, balancierte Konzentration und Struktur, Frische sowie feinstes Tannin kennzeichnen die Weine, die damit dem Zeitgeist von elegantem Trinkfluss und Individualität entsprechen.

Text und Verkostung Willi Balanjuk

Große Weine mit Herkunft. Der Blaufränkisch aus dem pannonischen Raum bringt das einzigartige Zusammenspiel aus Klima, Boden und Winzerkunst ins Glas. Individuelle Interpretationen und die Vielzahl an großartigen Jahrgängen seit 2017 erlauben den Winzern, die Blaufränkisch-Qualitäten neu zu definieren. Der Blaufränkisch von der Parndorfer Platte – Weiden, Gols, Mönchhof und Halbturn – überzeugt mit Aromatiefe, balancierter Textur und feinkörnigen Tanninen. Die Weine vom Leithaberg stehen entweder in Kalk- oder Schiefer-geprägten Rieden. Der jugendlich-rauer wirkende Kalk-Blaufränkisch braucht etwas mehr Flaschenreife, und der Schiefer-Blaufränkisch überzeugt durch seine elegante, engmaschige Struktur. Im Mittelburgenland befindet sich der Blaufränkisch mehrheitlich auf Lehm, der Körper und Dichte garantiert. Höhere oder kalkhaltigere Lagen von Neckenmarkt und Lutzmannsburg unterscheiden sich von den gehaltvolleren Weinen aus Horitschon und Deutschkreutz. Die Weine vom Eisenberg und aus Deutsch Schützen präsentieren sich nochmals anders. Der höhere Eisenoxidgehalt der Böden ergibt bei den Weinen ein festeres, feinkörniges Tannin, das sich durch Flaschenreife abrundet. Keine dieser Herkünfte ist besser oder schlechter als die andere, jede für sich einzigartig.

Die 150 eingereichten Weine dieser Blaufränkisch-Grand-Cru-Verkostung wurden in fünf Kategorien probiert:

1. 2024 Blaufränkisch – fruchtbetont, klassisch ausgebaut (keine Holzprägung): Diese Weine tragen stärker die Handschrift ihrer Winzer als die Prägung ihrer Herkunft. Unterschiede in Farbe, Ausbau und Füllzeitpunkt setzen entscheidende Akzente. Der Blaufränkisch Ried Edelgrund von Paul Achs ist immer ein Favorit in dieser ­Kategorie, denn er überzeugt durch Eleganz und ­Balance. Die besten Weine stammen von älteren Weingärten und werden wie die Topweine gekeltert.

2. 2023 Blaufränkisch Riedenweine und Reserven (Ausbau im Barrique möglich): Der Perwolff aus dem Haus Krutzler war in dieser Kategorie eine Liga für sich. Der Stil des Weins hat sich etwas in Richtung Finesse und Frucht verändert, ist aber durch den kühleren 23er-Jahrgang eine aromatische Verführung.

3. Blaufränkisch 2022 und 2021: Hier war sowohl die Anzahl als auch das Niveau der Weine umwerfend. Viele Weine wurden erst vor Kurzem gefüllt, andere profitierten durch ein oder eineinhalb Jahre Flaschenreife. Die Wahl der Sieger war ein Fotofinish mit rund 20 Weinen auf höchstem Niveau, auch international gesehen. Für alle Liebhaber von Pinot noir, Syrah, Nebbiolo oder Cabernet Franc: Diese Blaufränkisch-Weine bieten neben höchster Qualität auch ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis. Die beiden Siegerweine und auch die Grand-Cru-Weine drücken den Terroir-Charakter nahezu perfekt aus: mit 2022 Blaufränkisch Ried Altenberg von Paul Achs und 2022 Blaufränkisch Ried Goldberg von Georg Prieler keine wirkliche Überraschung bei den Siegerweinen. Sensationell ist auch die Serie von Dorli Muhr mit ihren Blaufränkisch-Weinen vom Spitzerberg.

4. Blaufränkisch-geprägte Cuvées 2023: In diesem jugendlichen Stadium tragen die Weine mehr die Handschrift der Winzer. Geringe Veränderungen der Cuvée-Verhältnisse oder Lagen sind in der Jugend die prägenden Faktoren.

5. Blaufränkisch-geprägte Cuvées 2022 und älter: Harmonischer und antrinkbarer als 2023. Die Werner-Achs-Reserve, die nur in großartigen Jahrgängen gekeltert wird, ist der Ausdruck von höchster Reife und damit konstanter Qualität, unabhängig vom Jahrgang. Daneben zeigen die eleganten Cuvées von Kollwentz, Kurt Feiler und Arnter, wie gut sich Blaufränkisch auch in einer Cuvée darstellen lässt.

Zusammenfassend kann man nur empfehlen, diese Weine zu probieren. Im internationalen Vergleich finden sich nur wenige Topweine, die Österreich schlagen können. Viele Weine aus 2017, 2019, 2020, 2021, 2022 und 2023 – auch 2024 und 2025 sind exzellente Jahrgänge – werden in Zukunft zu heimischen Rotweinikonen zählen, da Blaufränkisch auch über ausreichend Entwicklungspotenzial verfügt. –

Verkostet und bewertet wurden die Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine der Kategorien von einer Kostjury in einer Blindverkostung bewertet und die Grand-Cru-Sieger ermittelt

Hier geht es zu den Bewertungen:
1. Kategorie: 2024 Blaufränkisch – fruchtbetont, klassisch ausgebaut
2. Kategorie: 2023 Blaufränkisch Riedenweine und Reserven
3. Kategorie: Blaufränkisch 2022 und 2021
4. Kategorie: Blaufränkisch-geprägte Cuvées 2023
5. Kategorie: Blaufränkisch-geprägte Cuvées 2022 und älter