Austro-Sprudel im Vormarsch

Der Sekt heimischer Winzer gewinnt an Profil und wird Jahr für Jahr besser.

© ÖWM / Martin Grabmayer

Text & Verkostung: Willi Balanjuk

Rund 25 Millionen Flaschen österreichischen Sekts werden pro Jahr, zumeist anlassbezogen, die Mehrheit davon um den Jahreswechsel, konsumiert. Was bietet der österreichische Sekt für den Weinliebhaber? Wie bei allen anderen Schaumweinen dieser Welt ist der Stil der jeweiligen Produkte sehr unterschiedlich. In den letzten zehn Jahren hat sich parallel zum Wein auch beim Schaumwein – „Sekt Austria“ – die Qualität dramatisch gesteigert. Zwei Faktoren haben diese Entwicklung stark beschleunigt: Zum einen haben sich immer mehr Winzer mit dem Thema Sekt auseinandergesetzt und wollen Produkte keltern, die der Qualität ihrer Weine gleichkommt. Zu anderen erlauben höherwertigere Grundweine fürs „Versekten“ eine klarere Aromatik, wodurch auch weniger Dosage notwendig ist. Durch den sinkenden Zuckergehalt der Dosagen bieten heimische Winzer vermehrt auch Extra Brut (bis 6 g RZ/l), Brut Nature und Zero Dosage (bis 3 g RZ/l) an.

Unterschiedliche Sekte im Brut-Bereich zu keltern, hat bei großen Schaumweinproduzenten Tradition. Mit den ersten Erfolgen heimischer Winzer, allen voran Bründlmayer (1998), hat sich der gehobene Winzersekt auch in Österreich etabliert. Sein „Hauptproblem“ besteht nach wie vor darin, dass sich viele Konsumenten mit den unterschiedlichen Stilen der Schaumweine nicht auseinandersetzen und Einflüsse wie Jahrgangsunterschiede, Hefekontaktzeiten und vor allem das „Degorgier-Datum“ (wann wurde die Flasche final versandbereit gemacht?) nicht wahrnehmen. Viele Produzenten vermerken diese Informationen nicht auf dem Etikett. So scheitert eine Flasche Sekt oft nicht an ihrer Qualität, sondern an der falschen Erwartungshaltung des Konsumenten. Zur Hilfe bei Orientierung und Kaufentscheidung hat das Österreichische Sektkomitee 2015 die Sektpyramide definiert: Die Kategorie Klassik soll den lebendigen, fruchtigen Charakter Österreichs im Schaumweinbereich abdecken. Mit Reserve sind Herkunft und Hefelagerung klarer definiert, die Weine zeigen neben der Frucht auch oft feine Hefenoten. Mit der Kategorie Große Reserve ist die Herkunft der Trauben auf Ort oder Riede eingegrenzt und eine Hefekontaktzeit von 36 Monaten vorgeschrieben. Vielschichtige Aromen und ein individueller Hefecharakter machen die Großen Reserven zu stark Wein-geprägten Schaumweinen.

A la Carte hat im Rahmen der „Sekt Austria“ rund 110 Sekte in fünf Kategorien degustiert.
Die Kategorie Sekt Austria war mit 15 Sekten vertreten. In dieser Kategorie reicht die Stilistik von fruchtgeprägten Aromen bis hin zu leichter Reduktion. Der Sieger in dieser Kategorie ist der Blanc de Blancs Brut von Jurtschitsch, er präsentierte tiefe Fruchtnoten und elegante Textur.
In der Kategorie Sekt Austria Reserve wurden 27 Sekte verkostet. Hier variieren die Stile ebenfalls sehr stark, aber die Qualität der Reserve-Sekte war sehr beeindruckend. Der Grand-Cru-Sekt Blanc de Noirs Extra Brut von Bründlmayer präsentiert einen Wein-geprägten Charakter mit reifem Mousseux und feinstem Gerbstoff.
In der Kategorie Sekt Austria Große Reserve wurden 34 Sekte verkostet. Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen bilden hier viele reinsortige Lagen- und Ortsweine die Basis für den langen Ausbau der Schaumweine. Der Siegersekt von Michael Malat, der 2016 Blanc de Blancs Brut Nature, wurde erst 2024 degorgiert. Komplexität, Engmaschigkeit und Potenzial sprechen für diese Große Reserve.
Die Kategorie Rosé Sekt Austria, war offen ausgeschrieben. Die 23 Sekte, die verkostet wurden, waren sehr unterschiedlich. Vom Schilcher-Sekt bis zur Großen Reserve wurde degustiert. Die beiden Siegersekte sind Pinot-noir-geprägte Rosé-Varianten. Die A-Nobis Sektkellerei mit dem 2013er offeriert reife, komplexe Noten. Jener von Erich Polz Jun. aus 2017 wirkt etwas fruchtgeprägter und jugendlicher.
In der Kategorie Frizzante waren sowohl Rebsorten- als auch Rosé-Varianten eingereicht. Aromatische Rebsorten wie Muskateller liegen hier im Vorderfeld. Der Muskateller Frizzante von Masser überzeugt durch frische Aromatik und balancierte Perlage.

Zusammenfassend bestätigt diese Grand-Cru-Verkostung, dass die Sektqualität Österreichs weiter ansteigt. Die Sekt-Austria-Klassik-Varianten offe­rieren mit den aromatischen Rebsorten – Muskateller, Riesling und Blauer Wildbacher (Schilcher) – oft ausdrucksstarke Schaumweine. Bei den Sekt-Austria-Reserven werden schon mehrheitlich Grundweine cuvéetiert. Hier variiert die Dosage sehr stark. Brut bis Brut Nature kommen vor, und sowohl Jahrgangs- als auch Non-Vintage-Weine werden wie bei anderen Schaumweinen der Welt gekeltert. Der Sekt Austria Große Reserve ergibt sehr individuelle Produkte und Geschmackswelten. Ein Argument für die Große Reserve ist die Feinheit der Perlage, die sich mit allen anderen Schaumweinen der Welt vergleichen lassen kann. Dennoch haben alle Produkte eigenständige Noten, die sowohl von der Kelterung der Grundweine – mit oder ohne biologischen Säureabbau. Darüber hinaus verfügen die österreichischen ­Sekte wie auch die Stillweine über ein enormes Entwicklungspotenzial. —

Verkostet und bewertet wurden die Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine der Kategorien von einer Kostjury in einer Blindverkostung bewertet und die Grand-Cru-Sieger ermittelt.

Mitglieder dieser Jury sind: Hans Martin Gesellmann (Kracher Fine Wine), Benjamin Mayr (Del Fabro-Kolarik), Dragos Pavelescu (Önologe), Johannes Tremel (Weinhandel), Philipp Schäfer (Weinakademiker und Weinhandel), Simon Schubert (Sommelier Gasthaus Reznicek) und der Autor.

Zu den Bewertungen:
Kategorie Sekt Austria
Kategorie Sekt Austria Reserve
Kategorie Sekt Austria Große Reserve
Kategorie Rosé Sekt Austria
Kategorie Frizzante