Grüner Veltliner at its best

Die aktuellen Jahrgänge zeigen die unvergleichbare Rebsorte in ihrer gesamten Bandbreite und in sensationeller Form.

(c) Weingut Bernhard Ott/Bernhard Angerer

Text & Verkostung: Willi Balanjuk

Diese Grüner-Veltliner-Grand-Cru-Verkostung spiegelt die gesamte Bandbreite der Rebsorte wider. Aktuell werden die Jahrgänge 2025, 2024, 2023 und 2022 am Markt und in den Restaurants angeboten. Die Vielfalt der Stile und das Herausarbeiten der Herkunft machen den Grünen Veltliner unvergleichlich. Der 2025er versetzt viele erfahrene Verkoster zurück in die 1990er. Die Frische der Frucht und die Lebendigkeit des Frucht-Säure-Spiels vermitteln enormen Trinkspaß. „Ein Jahrgang, der den Zeitgeist trifft“, wie es die Österreichische Weinmarketing Gesellschaft (ÖWM) treffend formuliert. Mit ausgeprägtem Frucht-Würze-Spiel und lebendigem Trinkfluss bei mittlerem Körper ist der Grüne Veltliner sicherlich einer der Gewinner des Jahrgangs. Die Vegetation war sehr abwechslungsreich. Genügend Niederschläge und kühle Witterung im September begünstigten großartige Aroma-Ausprägung und animierendes Säurespiel. Würde man den Jahrgang mit Baustilen vergleichen, ist 2025 „gotisch“. Dagegen wirkt 2024 eher „barock“, dunkelwürzig und gehaltvoll. In den kommenden Jahren wird sich der 2024er durch die Flaschenreifung gut entwickeln und als gehaltvoller Wein mit balancierter Struktur präsentieren. Der Jahrgang 2023 offeriert eine hellere und intensivere Aromatik. Die Struktur und der Fluss machen die Weine jetzt zum Trinkvergnügen. 2022 präsentiert sich individueller. Manche Weine beginnen sich zu öffnen, andere sind nach wie vor verschlossen.

A la Carte hat eine Grüner-Veltliner-Grand-Cru-Verkostung in fünf Kategorien ausgeschrieben, es wurden rund 320 Weine degustiert und bewertet.
In der Kategorie 2025 Grüner Veltliner klassisch und DAC Klassik waren 88 Weine eingereicht. Der Trinkfluss der Weine war elegant und knackig. Intensive Zitrus- und frische Steinobstnoten, helle Würze und leicht wirkende Weine stehen für diese Kategorie. Die besten zeigen eine sehr homogene Qualität. Im Finale hatte der Grüne Veltliner Fass 4 von Bernhard Ott die Nase vorn. Bründlmayer, Markus Huber, Nigl, Allram und das Weinviertel – vertreten durch Dürnberg, Schwarzböck und Setzer – laden zum frühlingshaften und animierenden Trinkvergnügen ein.
Die Kategorie Grüner Veltliner 2025 gehaltvoll, DAC Reserve und Smaragd (Fassproben möglich) war, wie erwartet, mit weniger Weinen vertreten. Viele Fassproben und wenige gefüllte Weine dokumentieren das Potenzial des Jahrgangs. Weinliebhaber können sich auf außergewöhnliche Weine freuen.
In der Kategorie Grüner Veltliner 2024 aromatisch und Klassik wurden 45 Weine degustiert. Der 2024er zeigt im Unterschied zu 2025 eine komplexe Aromatik. Kandierte Noten und dunklere Würze, balancierter Trinkfluss und pikantes Finish kennzeichnen den Jahrgang. Der 2024 Grüner Veltliner Der Ott vereint diese Charakteristik perfekt.
In der Kategorie Grüner Veltliner gehaltvoll, Reserve und Smaragd waren mit fast 100 Weinen die meisten Proben eingereicht worden. Viele Weine verkosteten sich zurückhaltend und teilweise verschlossen. Die Balance zu finden, war die große Herausforderung des Jahrgangs. Hirtzberger und sein 2024 Grüner Smaragd Honivogl® ist ein präzises Meisterstück des Jahrgangs. Atzberg, Bründlmayer, Grabenwerkstatt, F. J. Gritsch und Allram sind wunderbare Beispiele für gehaltvoll-balancierte Grüne Veltliner. Der Jahrgang verfügt über ein sehr gutes Entwicklungspotenzial.
Die Kategorie Grüner Veltliner 2023 und 2022 (73 Weine) hält das Versprechen, vielschichtige Frucht und lebendige Textur zu vermitteln. Bernhard Ott hat mit seinen Riedenweinen Rosenberg, Spiegel, Stein und dem monumentalen Tausend Rosen eine atemberaubende Serie eingereicht. Franz Türk setzt mit seinem 2023 Grünen Veltliner 333 die Qualität seines 2021er fort – großartiger Grüner Veltliner aus dem Kremstal.

Zusammenfassend unterstreicht diese Verkostung, dass Grüner Veltliner eine „Große Rebsorte“ ist, die über die unterschiedlichen Terroirs und Vinifikationsstile der letzten fünf Jahre sowohl den Herkunftscharakter als auch den Jahrgangsstil bestens abbildet. Die Weine verfügen außerdem über ein enormes Alterungspotenzial. Durch seine Vielfalt ist der Grüne Veltliner der perfekte Begleiter zu sämtlichen Speisen. —

Verkostet und bewertet wurden die eingereichten Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine jeder Kategorie in einer Blindprobe von einer Fachjury bewertet.
Jurymitglieder sind Hans Martin Gesellmann (Kracher Fine Wine), Benjamin Mayr (Del Fabro-Kolarik), Dragos Pavelescu (Önologe), Johannes Tremmel (Weinhandel) und der Autor. 

Zu den Bewertungen:
Kategorie 2025 Grüner Veltliner klassisch und DAC Klassik
Kategorie Grüner Veltliner 2025 gehaltvoll, DAC Reserve und Smaragd
Kategorie Grüner Veltliner 2024 aromatisch und Klassik
Kategorie Grüner Veltliner gehaltvoll, Reserve und Smaragd 2024
Kategorie Grüner Veltliner 2023 und 2022