Pinot noir und St. Laurent
Wer Burgunder liebt, sollte Österreich im Blick behalten: Die besten Weine unserer Verkostung beweisen, dass der Vergleich nicht gescheut werden muss.
Redaktion & Verkostung: Willi Balanjuk
Pinot noir und St. Laurent aus Österreich liegen im Trend. Der auf rund 700 Hektar Rebflächen gepflanzte St. Laurent erfüllt alle Ansprüche an eine große Rebsorte. Er kann Herkunft, Bodentyp, Mikroklima und Stilistik des Ausbaus („human impact“), also sein Terroir, perfekt ausdrücken. Dazu kommen Leichtigkeit und Eleganz.
Pinot noir wurde im 12. Jahrhundert von den Zisterziensern nach Österreich gebracht. Die hellere, transparente Farbe, die verführerischen Fruchtnoten und ein zartes, seidiges Tannin sind die Kennzeichen der Rebsorte. Beim Pinot noir wird Finesse höher bewertet als Kraft. Der Anspruch an den Boden (Kalk, Ton und Mergel) führt zu rund 600 Hektar ausgepflanzten Rebflächen. „Global Warming“ macht es schwieriger, aromatische Finesse zu bewahren.
Wir haben eine Grand-Cru-Verkostung ausgeschrieben, und es wurden rund 100 Weine in mehreren Kategorien degustiert: (Durch Klicken auf die jeweilige Kategorie gelngen Sie zu den Ergebnissen)
Die Kategorie 1 – St. Laurent Klassik 2025 & 2024 präsentiert elegante, gut antrinkbare 2024er. Das Weingut Reinisch und Paul Achs interpretieren diese Stilistik unterschiedlich, aber auf höchstem Niveau.
In der Kategorie 2 – St. Laurent Reserve 2024 spielt Philipp Grassl mit seinen Alten Reben ganz vorne mit. Markus Iro und das Weingut Jordan sind weitere gelungene Vorboten für diese schwierige Kategorie.
In der Kategorie 3 – St. Laurent 2023 & älter unterstreichen die Spezialisten dieser Rebsorte ihre Kompetenz. Der „2023 St. Laurent Ried Frauenfeld 1 ÖTW“ der Familie Reinisch ist ein Klassiker. Die Frische und Komplexität des 2019ers neben dem „2023 St. Laurent Ried Feiersteig von Erwin Tinhof laden ein, beide Jahrgänge parallel zu verkosten.
Die Kategorie 4 – Pinot noir Klassik und Ortswein 2025 & 2024 ist herausfordernd. Die Stilistik und Fruchtausprägung der Weine ohne längeren Holzausbau zu keltern, ist nicht einfach.
In der Kategorie 5 – Pinot noir Reserve 2024 haben die Usual Suspects die Nase vorne. Der „Pinot Noir Ried Dürr“ vom Weingut Kollwentz und der „Pinot Noir Reserve“ von Paul Achs stammen von Spezialisten.
Die genussvollste Kategorie war die Kategorie 6 – Pinot noir 2023 & älter. In dieser Kategorie schmeckt man nicht nur „große Klasse“, sondern auch intensive, komplexe österreichische Frucht, dichte und straffe Textur, gekonnten Ausbau im Holz sowie seidigen Gerbstoff.
Weine in der Kategorie 7 – Cuvées mit Pinot-noir- und/oder St.-Laurent-Prägung sind rar. Das Zisterzienser Weingut Schloß Gobelsburg pflegt die „Cuvée Bertrand“ mit St. Laurent, Pinot noir und Zweigelt.
Resümee: St. Laurent und Pinot noir offerieren Burgunder-Freunden hochwertige Weine mit österreichischem Charakter. Beide Rebsorten werden mehrheitlich von Spezialisten und Topbetrieben gekeltert. Angesichts der relativ hohen Preise im Burgund finden Sie in Österreich gleichwertige Alternativen zum günstigeren Preis.
Verkostet und bewertet wurden die Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine der Kategorien von einer Kostjury in einer Blindverkostung bewertet und die Grand-Cru-Sieger ermittelt.
Abkürzungen:
DAC Districtus Austriae Controllatus (kontrollierte Herkunftsbezeichnung),
DI Diam-Kork
DV Drehverschluss
GL Glasverschluss
ME Merlot
NK Naturkork
ÖTW Österreichische Traditionsweingüter
PN Pinot noir (Blauburgunder),
SL St. Laurent
ZW Zweigelt

