Rote Legenden
Heutzutage wird das Adjektiv Jahrhundertwein fahrlässig schnell angewandt. Einige Rotweine aus dem Burgenland verdienen aber tatsächlich diese Bezeichnung.
Text & Bewertungen Willi Balanjuk
Dem burgenländischen Rotwein lässt sich ab dem Jahrgang 1986 eine beeindruckende Entwicklung attestieren. Anfangs waren es einzelne Winzer wie etwa Anton Kollwentz, Engelbert Gesellmann, Hans Igler und Stiegelmar, die in den 1990er-Jahren mit Cuvées aufhören ließen. Legendäre Weine wie Bela Rex (Gesellmann) und Rêve de Jeunesse (Pöckl), die bis heute gekeltert werden, vereinen sowohl nationale als auch internationale Rebsorten. Einige Betriebe stellten ihre Cuvées später auf ausschließlich österreichische Rebsorten um, andere blieben dem internationalen Sorten-Mix treu. Auch die großen Rotweinjahrgänge – 1990, 1992, 1994, 1997, 1999 und 2000 – waren noch maßgeblich von Cuvées geprägt. In den letzten 15 Jahren verlagerte sich der Trend jedoch zunehmend hin zu reinsortigen Weinen. Vor allem Blaufränkisch und Zweigelt begannen um die Gunst der Weinliebhaber zu buhlen, gefordert von St. Laurent und Pinot Noir. Mit dem Jahrgang 2011 erreichte der burgenländische Rotwein eine neue Dimension an Tanninqualität, die sich mühelos mit internationalen Spitzenweinen messen kann. Die Jahrgänge 2015, 2017 und 2019 führten dieses Qualitätsniveau mit jeweils eigenständigem Charakter fort. Der Jahrgang 2021 gilt heute als der bislang beste Rotweinjahrgang des Burgenlandes. Auch 2022, 2023 und 2024 hätten noch vor 15 Jahren als herausragend gegolten – wäre da nicht das Ausnahmejahr 2021. Doch welche Weine und welche Herkünfte sind es nun, die mich so euphorisch werden lassen?
In der Region Neusiedlersee DAC sind es mehrheitlich Zweigelt-dominierte Weine und Cuvées. Der Schwarz Rot (100% Zweigelt), die Zweigelt Neusiedlersee DAC Reserve von Pöckl und 65 Zweigelt Neusiedlersee DAC Reserve von Robert Goldenits, sind nur einige Topweine aus der Rebsorte Zweigelt. Für mich sind auch die gehobene Einstiegsqualitäten wie der Zweigelt Alte Reben von Paul Achs, der Zweigelt Goldberg von Werner Achs und die Weine von Salzl, Iro, Allacher und Scheiblhofer, Garant für großes Trinkvergnügen. Die großen Herausforderer sind die Blaufränkisch Lagen von Paul Achs und die Blaufränkisch-dominierte Cuvées wie Werner Achs Reserve (BF & ME) und John Nittnaus Comondor (BF/ ME). Gernot Heinrichs Gabarinza setzt auf Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot. Die best bewertesten Cuvées keltert René Pöckl: Mystique (eine Assemblage, die nur der Winzer kennt), Admiral aus Zweigelt, CS, ME und CF und vor allem sein Jugendtraum Reve de Jeunesse aus Syrah, ZW, ME und Caberent Franc. Nicht vergessen darf man die Pinot Noirs aus dem Hause Stiegelmar / Juris, die seit 1986 eine eigenständige Stilistik verfolgen. Für die Liebhaber gehaltvoller Weine seien zwei Spitzenweine wie der Massiv von Keringer und Batonnage von den „Wild boys” um Erich Scheiblhofer zu erwähnen.
Der Leithaberg und Rust stehen für Kalk und Schiefer geprägte Böden. Spitzenwinzer wie John Nittnaus, Gernot Heinrich und Pepi Umathum haben ihre Blaufränkisch-Toplagen am Leithaberg gefunden. Die Rieden Tannenberg, Jungenberg, Gritschenberg, Eisner, Rosenberg, Alter Berg, Kirchberg, Glagsatz Setz, Reisbühl, Goldberg und Steinberg gehen von Jois bis Großhöflein und weiter nach Schützen entlang des Leithabergs. In Rust sind es die Rieden Mariental, Oberer Wald, Ludmaisch und Plachen, die als die besten Blaufränkisch Lagen gelten. Hannes Schuster setzt auf St. Margarethen und die Lagen Lamer und Hinkenthal. Die Weine von Georg Prieler, Hannes Schuster, Ernst Triebaumer, John Nittnaus, Andi Kollwentz, Alex Leberl, Günter Triebaumer, Kurt Feiler, Toni Hartl, Erwin Tinhof, Gernot Heinrich, Familie Mad, Zehetbauer und Esterházy vermitteln Herkunft und großartigen Sortencharakter.
Das Mittelburgenland steht für Blaufränkisch und Cuvées. Albert Gesellmann mit seinem G, und Roland Velich (Moric) mit seinem Blaufränkisch aus Lutzmannsburg legen die Latte für die Kollegen sehr hoch. Die Familie Wellanschitz, Silvia Heinrich, Kerschbaum, Josef Tesch, Igler, Heribert Bayer, Juliana Wieder, Stefan Lang, die Familie Iby, Gager, Kirnbauer und Reumann keltern hier großartige Blaufränkisch Qualitäten.
Im Südburgenland matchen sich Christoph Wachter, Krutzler und Thomas Straka um Platz eins. Thom Wachter, Kopfensteiner, Jalits, Stephano, Groszer Wein und Rainer Stubits versuchen, wie die erstgenannten, den einzigartigen Riedencharakter herauszuarbeiten.
Das jüngste Projekt, die Cuvée Centum, wurde 2021 und 2023 zum hundertjährigen Jubiläum des Burgenlandes gekeltert. Für diesen Jahrhundertwein wurden Top-Weine von vier der wichtigsten burgenländischen Winzer – Scheiblhofer, Prieler, Gesellmann und Kopfensteiner – zum Jubiläums-Unikat cuvéetiert. –
Verkostet und bewertet wurden die eingereichten Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine jeder Kategorie in einer Blindprobe von einer Fachjury bewertet.
Jurymitglieder sind Hans Martin Gesellmann (Kracher Fine Wine), Benjamin Mayr (Del Fabro-Kolarik), Dragos Pavelescu (Önologe), Johannes Tremmel (Weinhandel) und der Autor.
Hier geht es zu den Bewertungen:
Best of Burgenland 100 Punkte Weine
Best of Burgenland 99 Punkte Weine

