Weiße Diva

Von den Terrassen der Wachau bis zu den Steillagen der Südsteiermark: Riesling zeigt Herkunft wie kaum eine andere Rebsorte. Unsere Grand-Cru-Verkostung zeigt zudem eindeutig, heimischer Riesling spielt in der internationalen Spitzenliga.

(c) ÖWM

Text & Verkostung: Willi Balanjuk

Riesling macht mit rund 2.000 Hektar etwa 4,5 Prozent der gesamten heimischen Rebfläche aus. Die Sorte stellt hohe Ansprüche an Standort sowie Winzerkunst und gilt als eine der präzisesten Interpretinnen des Terroirs. Sie gedeiht auf Gneis, Granit, Schiefer, Kalk, Vulkan- und Mischböden. Je nach Untergrund und mikroklimatischen Bedingungen entfaltet sie intensive, tiefe und vielschichtige Fruchtaromen. Charakteristisch ist zudem eine lebendige, von Frucht getragene Säure, die bei den besten Exemplaren in ein feines, mineralisches Finish mündet. Die bedeutendsten Riesling-Gebiete Österreichs liegen im Donauraum: in der Wachau, im Krems-, Kamp- und Traisental, am Wagram und in Wien. Auch vereinzelte Rieden im Weinviertel und vor allem die südsteirischen Winzer von Kitzeck im Sausal mit perfekten Schieferböden sowie höheren Lagen haben sich mittlerweile etabliert.

A la Carte hat eine Riesling-Grand-Cru-Verkostung in vier Kategorien ausgeschrieben, rund 150 Weine wurden verkostet und bewertet.

In der Kategorie Riesling 2025 fruchtbetont in den DAC-Kategorien Klassik und Steinfeder/Federspiel waren mehr als ein Drittel der Weine eingereicht. Durch die abwechslungsreiche Vegetation des Jahrgangs und das enge Erntefenster der spätreifen Rebsorte ist der Riesling mit sehr intensiver Fruchtprägung ausgestattet. Mittlere bis leicht höhere Säurewerte führen zu einem animierenden Trinkfluss und in vielen Fällen endet der Riesling mit einem fruchtigen, leicht süßen Schmelz. Die Grand-Cru-Weine kommen von den Usual Suspects aus der Wachau, dem Kremstal und dem Kamptal, wo die Rebsorte schon immer einen sehr hohen Stellenwert hatte.

In der Kategorie Riesling 2025 gehaltvoll und körperreich (Fassproben möglich) waren nur wenige Weine eingereicht. Viele Fassproben, die ich in den Kellern der Winzer bereits verkostet habe, zeigen sich etwas verhalten und brauchen noch Zeit. Zwei erfolgreiche Winzer, Weingut Nigl und Franz Josef Gritsch, haben einige Fassproben geschickt. Die Substanz und Konzentration der Toplagen verkosten sich vielversprechend. Die meisten der Weine dieser Kategorie werden im Spätherbst oder kommendes Jahr auf den Markt kommen.

Die zweitstärkste Kategorie war die Kategorie Riesling 2024. Durch die herausfordernde Vegetation und die geringen Erntemengen waren vor allem das Weingarten-Management und die selektive Lese die entscheidenden Faktoren. Riesling 2024 gilt als einer der Underdog-Jahrgänge. Die Rebsorte präsentiert sich aber komplex und vielschichtig. Mit der Flaschenreife werden sich die besten Rieslinge weiter verfeinern. Der fordernde Jahrgang wurde von den meisten Winzern bravourös gemeistert. Für die Riesling-Grand-Cru-Weine Jahrgang 2024 ist auch eine Verkostung im jugendlichen Stadium empfehlenswert.

Die vierte Kategorie war für Rieslinge 2023 & älter bestimmt. Die saftige, komplexe und offene Fruchtaromatik der 2023er-Rieslinge hatte die Nase vorn. Wie schon in den vergangenen Jahren ist der Riesling Ried Heiligenstein Alte Reben vom Weingut Bründlmayer ein Garant für höchste Qualität. Neben dem Kamptal präsentiert sich auch die Wachau mit dem Jahrgang 2023 auf höchstem Niveau. Das Kremstal mit Josef Schmid und dem Weingut Buchegger sowie Bernhard Ott vom Wagram überzeugen mit ihren Weinen. Eigenständig präsentierten sich zwei steirische Rieslinge. Der 2023 Riesling Ried Edelschuh vom Weingut Wohlmuth und der 2021 Ried Hochstermetzberg von Wolfgang Maitz unterstreichen das Potenzial und die hohe Qualität der steirischen Rieslinge. Ein Tipp für Weinliebhaber: Vergleichen Sie die Weine in einer Blindverkostung.


Zusammenfassend kann man heimischem Riesling attestieren, auch international zu den besten Weißweinen zu gehören. Die konstant hohe Qualität, gepaart mit individuellen Jahrgangsausprägungen, bestätigt diesen Anspruch. Das breite Spektrum reicht vom jugendlich-fruchtbetonten Stil bis hin zu gereiften Weinen mit Entwicklungspotenzial über zehn bis 15 Jahre. Beim Riesling 2025 gilt: „The best is yet to come“, da viele Top-Weine wahrscheinlich erst im Herbst oder 2027 auf den Markt kommen werden. –

Hier geht’s zu den Bewertungen:
Kategorie 1: Riesling 2025 fruchtbetont
Kategorie 2: Riesling 2025 gehaltvoll und körperreich
Kategorie 3: Riesling 2024
Kategorie 4: Riesling 2023 & älter