Weiße Juwelen

Die Grand-Cru-Verkostung „Alt-Österreich – autochthone Rebsorten und Raritäten“ beweist, dass traditionsreiche Sorten alles andere als Relikte sind. Sie stehen für eigenständige Stilistik, klare Herkunft und großes Entwicklungspotenzial.

© ÖWM / WSNA

Text und Verkostung Willi Balanjuk

Bei der Grand-Cru-Verkostung „Alt-Österreich – autochthone Rebsorten und Raritäten“ wurden Welschriesling, Roter Veltliner, Rotgipfler, Zierfandler, Neuburger, Furmint und eine Vielzahl anderer Sorten degustiert. Vorab muss die „St. Georgener Rebe – Mater Veltlines“ hervorgehoben werden: Die Mutterrebe des Grünen Veltliner wurde ab 2006 wiederbelebt. Dem Winzer Hans Moser und seiner konsequenten Arbeit ist zu verdanken, dass heute rund 1.000 Reben dieser uralten Sorte gekeltert werden.

Die rund 180 Weine wurden in acht Kategorien verkostet und bewertet:

1. Welschriesling (ohne Jahrgangseinschränkung): Die spätreife Rebsorte mit rund 2.800 Hektar Anbaufläche profitiert von „global warming“, steht mehrheitlich für Frische und unkompliziertes Trinkvergnügen und wird von vielen Winzern langfristig als ein Garant für die „österreichische Stilistik – präzise Frucht mit Terroircharakter“ gesehen. Besonders spannend wird Welschriesling dort, wo alte Rebstöcke und sorgfältig ausgewählte Lagen ins Spiel kommen, etwa in der Steiermark oder im (Süd-)Burgenland. Wie unterschiedlich die Stilistik sein kann, zeigt die Verkostung eindrucksvoll: Der 2022er Welschriesling von ­Wolfgang Maitz präsentiert sich in Hochform. Die Eleganz und P­räzision des Weins ist großartig. Ried Rosengarten Alte Reben von ­Kodolitsch, Ried Ratschen von Krutzler und die Alten Reben von Grassl vereinen Fruchttiefe, mehr Körper und Konzentration sowie ein fruchtig-pikantes Finish.

2. Roter Veltliner 2025: Die Mehrheit der 200 Hektar Anbaufläche stehen im Weinbaugebiet Wagram. Die Rebsorte hat vor allem in wärmeren Jahrgängen – auch in den leichteren Einstiegskategorien – viel Charakter. 2025 ist einer dieser Jahrgänge, in denen der Rote Veltliner von Harald Ernst, Ecker Eckhof und Familie Schuster wirklich überzeugt.

3. Roter Veltliner 2024 und 2023: Hier gibt es in den letzten Jahren einen Seriensieger. Josef Fritz, unterstützt von seinem Sohn Johannes, keltert von der Riede Steinberg mehrere Varianten der individuellen Rebsorte. Dazu kommt mit Agnes und Josef Mantler vom Mantlerhof ein Betrieb, der sich schon immer dieser Rebsorte gewidmet hat. Wer jemals die Chance hatte, den 1986 Roter Veltliner vom Mantlerhof zu kosten, wird verstehen, warum diese Rebsorte ein so hohes Image hat.

4. Rotgipfler: ist an der Südbahn ein Klassiker. Reinsortig oder als ­Gumpoldkirchner Cuvée Spätrot-Rotgipfler hatte der Wein höchste Wertschätzung am Wiener Hof. Die Spitzenwinzer der Thermenregion pflegen rund 110 Hektar dieser Rebsorte. Der gekonnte Ausbau der Grand Cru im Holz gibt diesen Weinen eine komplexe Aromatik.

5. Zierfandler: ist eine herausfordernde Rebsorte. Das erklärt, warum nur noch 65 Hektar davon in der Thermenregion ausgepflanzt sind. ­Einzigartige Aromatik, eine Kombination aus Riesling-Anklängen und kandierte Fruchtnoten machen diesen Wein unvergleichlich.

6. Neuburger: Mit rund 250 Hektar Anbaufläche zählt der Neuburger heute zu den raren Spezialitäten unter Österreichs Weißweinsorten. Er ist vor allem das Herzensprojekt einzelner, engagierter Winzer und historisch eng mit der Wachau verbunden. Erwin Tinhof pflegt seinen Neuburger auf kalkhältigen Böden am Leithaberg. Die Wachauer Winzer Christoph Donabaum und die Grabenwerkstatt verarbeiten Trauben aus dem Spitzer Graben und Spitzer Lagen.

7. Furmint: Dieser Wein gilt für viele Winzer als eine der großen Zukunftsrebsorten für Österreich. Unter 50 Hektar stehen zurzeit mehrheitlich im Burgenland. John Nittnaus ist vom Potenzial der Rebsorte und der großen Zukunft überzeugt. Die Herausforderer kommen durch die Bank aus Rust. Günter Triebaumer, Harald Tremmel und Heidi Schröck und Söhne bestätigen das Potenzial der Rebsorte.

8. Raritäten und Alt-Österreich-Rebsorten wie Grüner Sylvaner, ­Rivaner/Müller-Thurgau, Frühroter Veltliner, Scheurebe und Mater Veltlinis: Hier sind die Handschrift der Winzer und der Jahrgang die prägenden Faktoren.

Reiche Vergangenheit, große Zukunft
Zusammenfassend sind die autochthonen Rebsorten ein wirkliches Juwel und eine Bereicherung des österreichischen Weißweinangebots. Nicht nur aus der geschichtlichen Betrachtung, mit Welschriesling und Furmint gibt es zwei Rebsorten, die als Zukunftschance gesehen werden. Vor allem sind die Weine aber wunderbare Speisenbegleiter zur österreichischen Küche. –

Verkostet und bewertet wurden die Weine vom Autor in Zalto-Universalgläsern. Im Anschluss wurden die besten Weine der Kategorien von einer Kostjury in einer Blindverkostung bewertet und die Grand-Cru-Sieger ermittelt.

Hier geht es zu den Bewertungen:
Kategorie 1: Welschriesling (ohne Jahrgangseinschränkung)
Kategorie 2: Roter Veltliner 2025
Kategorie 3: Roter Veltliner 2024 und 2023
Kategorie 4: Rotgipfler
Kategorie 5: Zierfandler
Kategorie 6: Neuburger
Kategorie 7: Furmint
Kategorie 8: Raritäten und Alt-Österreich-Rebsorten