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Ois im Mühltalhof

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Küchenzeiten: Mi.–Fr. 18–21, Sa. 11.30–14, 18–21, So. 11.30–14
Inhaber: Familie Rachinger
Küchenchef: Philip Rachinger
Sommelier: Daniel Schicker
Sitzplätze: 60
Übernachtung
Kreditkarten: Diners, Mastercard, Visa, Hobex
„Ois“ – also alles – geben Philip Rachinger und sein schmeckbar gut eingespieltes Team. Vor dem Essen geziemt sich ein kleiner Rundgang über das Anwesen, neudeutsch: Ressort, das die Familie Rachinger geschaffen hat.
Zum bestehenden Hotel, dessen Zimmer für Liebhaber architektonischer und gestalterischer Individualität eine Pilgerstätte sind, haben sich eine weitere Unterkunft oberhalb von Papa Helmut Rachingers Fernruf 7, mehr in japanischer Schlichtheit gehalten, sowie ein für größere Gruppen mietbares Haus am Ufer der Mühl gesellt. Alte Substanz, mit viel Geschmack renoviert und eingerichtet. Kulinarisches Herzstück des Betriebs ist und bleibt aber das Restaurant unter der Leitung von Philip Rachinger, wobei das Haus jetzt auch Halbpension für Hausgäste anbietet. Das Restaurant steht in spannendem optischen Gegensatz zu Wald und Fluss, dort Grüntöne in allen Schattierungen, hier Schwarz, unterbrochen nur durch die Fensterfront hinaus und zur Küche und durch eine Feuerstelle, die im Laufe des Menüs eine große Rolle spielt. Auch das Menü ist „grün“, was nicht politisch zu verstehen ist. Philip Rachinger ist fast täglich in Wald und Wiesen der Umgebung unterwegs, er ist mehr Sammler als Jäger, Letzteres überlässt er Freunden und Lieferanten. Was wächst, kommt auf den Teller, Radieschen beispielsweise mit Campari als eine Art halbfester Apéro. Die grüne Sulz schmeckt wie die als Wirtshausessen bekannte Haussulz, kommt aber ohne Schwein aus. Zum Erdäpfel-Röhrlsalat gibt’s Yuzu und Saiblingskaviar, eine feine Mischung. Wilden Hopfen kombiniert Rachinger mit Solospargel und einer genialen Sauce, die aus Stammwürze gewonnen wird. Der Saibling wurde etwas mit Salz behandelt, wodurch der Zuchtfisch an Festigkeit gewann, er kommt vom offenen Feuer, gemeinsam mit Rhabarber und Ponzu. „Oafisch“ ist einfach pochiertes Ei, das gemeinsam mit Mangold, Brennnesseln und Grammeln ein grün-bitter-vollmundiges Intermezzo bildet, bevor es zum in Steinklee gewickelten, butterzarten Maibockrücken geht, der mit Ribisellaub serviert wird. Maibockschulter geräuchert, eine fantastische Idee. Nach der Maibock-Consommé dann die Desserts, einmal Mühlviertler Granit, dann Erdbeeren mit Oberskren, beide einfallsreich, aber nicht die Highlights des Menüs. Absolut lobenswert waren im Mühltalhof schon immer Weinauswahl und -beratung. Seit letztem Jahr ist alles noch besser. Von S wie Sgaminegg bis S wie Sparkling Tea.
Philip Rachinger, © Michael Reidinger