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ZeitRAUM

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St. Kathrein am Offenegg - 8171 St. Kathrein am Offenegg
T.: 43-3179-82 35
info@der-wilde-eder.at
www.der-wilde-eder.at/fine-dining-zeitraum
Küchenzeiten: Mo., Fr., Sa. ab 18 (nur gegen Reservierung)
Inhaber: Stefan Eder
Küchenchef: Stefan Eder
Sommelière: Katharina Greifenstein
Sitzplätze: 50
Übernachtung
Kreditkarten: Mastercard, Visa, Maestro
Man lasse sich nicht irreführen. Diese Kombi aus Hotel und Restaurant an spektakulärer Lage über der Nebeldecke, falls es eine solche gibt, ist gar nicht wild, sondern sehr zivilisiert, man möchte sagen: auf bemerkenswertem Niveau. Stefan Eder hat mit dem ZeitRAUM eine Ess-Location nach seinem Geschmack geschaffen. Die Gerichte tragen Jahreszahlen oder spielen auf elementare Ereignisse an. Manches, das verraten wir schon jetzt, wirkt dabei allerdings etwas konstruiert. Als „Urknall“ kommt Hanfchip in Ringform, der einen Planeten in Form einer Sauerrahmkugel einfasst, bestreut mit Rote-Rüben-Staub, dann eine Rote-Rüben-Creme in konzentrischen Kreisen, darauf aufgesetzt diverse Planeten in Form kleiner geschmorter, rund geschnittener Rote-Rüben-Stücke oder eines flaumigen Germteigbällchens. Wenn das die NASA sehen könnte. Wir haben keine Ahnung, wie es damals war, aber etwas Säure würde dem Urknall guttun. „Weihnachtszeit“ nennt sich ein Gericht aus ungestopfter Gänseleber, die als Lebkuchenmann kommt, begleitet von allerlei Gewürzen, ziemlich gut in Optik und Geschmack. „6000 v.d.Z.“, Referenz an die Entstehung von Sauerteig, nennt sich eine Brotsuppe, dazu ein kleiner, in vier Teile ­geschnittener Brotlaib und Sauerrahmbutter mit Holzspachtel. Andere sagen einfach Brot und Butter. Wie man wohl „1492“ in Bezug zur klassischen Kasnudel, die gebacken, mit gedämpftem Räuchersaibling, fermentiertem Rettich und aromatischem Dashi serviert wird, verstehen soll? Ans Jahr 1529 soll dann das Gericht aus gebratenem und gedämpftem Wels erinnern, der mit Sellerie-Variationen und Salzzitrone serviert wird. „Eiszeit“ heißt naheliegenderweise das Dessert aus Zwetschken-Lolli mit Zwetschkenschokolade und Mohn-Miso, serviert auf Mini-Eiswürfeln. Der Hirsch kommt als gebratener Rücken und geschmort, superzart, dazu Topinambur in Variationen. Das gelungene Gericht nennt sich übrigens „Alles isst relativ“. Nach einer dekonstruierten Tarte Tatin („1847“), die wiederum gut gefällt, drückt die Dame im Service auf den Knopf einer Fernbedienung. Die Tischdecke schiebt sich zur Seite, es erscheint eine runde Platte mit köstlichen Eveline-Wild-Pralinen. Wir halten bei „2070“.
Stefan Eder, © Wolfgang Hummer